Heimat ist mehr als ein Ort

Shownotes

In dieser besonderen Folge nehme ich dich mit in meine fränkische Heimat und stelle dennoch die Fragen: Muss Heimat immer da sein, wo wir geboren wurden? Was bedeutet eigentlich Zuhause? Oder ist es vielleicht ein Gefühl – ein offenes Haus, offene Herzen, Menschen, bei denen wir ankommen dürfen?

Zwischen persönlichen Gedanken und Gaststimmen stelle ich den Ort, indem ich aufgewachsen bin vor, empfehle die besten fränkischen Schmankerl und wo es sie gibt und stehe immer offen der Frage gegenüber, ob wir Heimat vielleicht immer wieder neu erschaffen dürfen.

Lass dich inspirieren, Heimat neu zu denken und die Feiertage mit offenem Herzen zu erleben.

Und für Fragen, Feedback oder Themenwünsche schreib mir gerne an podcast@kompassundkaffee.de Bilder zu den genannten Orten gibts bei Instagram. Und die Links dazu findest du folgend:

Fränkische Schweiz

https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A4nkische_Schweiz

Weihnachtsmarkt Forchheim

https://www.forchheim.de/tourismus/veranstaltungen/weihnachtsmarkt/

Christkindlesmarkt Nürnberg

https://www.christkindlesmarkt.de/

Bamberg

https://www.bamberg.info/

Schlenkerla Rauchbier

https://www.schlenkerla.de/

Elch-Bräu Thuisbrunn

https://www.elchbraeu.de/

Fünf-Seidla-Steig

https://www.fuenf-seidla-steig.de/

Gasthaus Nagengast (Schnörla)

https://www.gasthaus-nagengast.de/

Bäckerei Kraus Hetzles

https://www.baeckerei-kraus-hetzles.de/

Walberla (Ehrenbürg)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenb%C3%BCrg

Transkript anzeigen

00:00:00: Heute ist Heiligabend.

00:00:03: Heute ist der vierundzwanzigste zwölfte.

00:00:06: Zweitausendfünfundzwanzig.

00:00:09: Heute bin ich schon ziemlich verplant und das auch in den nächsten Tagen.

00:00:15: Ich werde mal hier und mal dort sein und ein paar Kilometer zurücklegen.

00:00:20: Du ja vielleicht auch.

00:00:23: Viele verbringen oder fahren am Weihnachten nach Hause.

00:00:28: Und eine Frage Die schwebt schon eine ganze Weile in meinem Kopf.

00:00:33: Was bedeutet überhaupt Zuhause und muss Zuhause immer dort sein, wo man geboren ist?

00:00:41: In den letzten zehn Jahren haben sich bei mir so ein paar Begrifflichkeiten etabliert.

00:00:47: Einfach, um die Kommunikation zu vereinfachen und um klarzumachen, wo ich dann gerade bin oder wo ich zu einem gewissen Zeitpunkt sein werde.

00:00:54: Zuhause und Heimat.

00:00:58: Bei der Definition geht es natürlich rein darum, an welchen Ort ich bin.

00:01:04: Zu Hause habe ich immer so definiert, dass es der Ort ist, wo ich gerade wohne oder die meiste Zeit verbringe oder mir eben ein Zuhause eingerichtet habe.

00:01:18: Und Heimat ist der Ort, wo ich geboren und aufgewachsen bin.

00:01:23: Und meine Heimat, die ist wirklich schön.

00:01:27: Die schauen wir uns heute auch noch mal ein bisschen genauer an.

00:01:30: Aber ich möchte auch tiefer graben.

00:01:45: Und damit herzlich willkommen zu dieser etwas anderen Episode von Kompass & Kaffee.

00:01:51: Ich bin Corinna und nehme dich heute mit auf die Reise.

00:01:55: Nicht nur auf eine Reise, in der wir zusammen ein Ziel mit der Pinnahtel auf der Weltkarte markieren können, sondern auch eine, bei der wir uns fragen dürfen, wohin unser innerer Kompass zeigt.

00:02:10: Heimat.

00:02:11: Wo ist denn jetzt meine überhaupt?

00:02:14: In Franken.

00:02:16: Oberfranken, um genau zu sein.

00:02:18: Nähe der fränkischen Schweiz.

00:02:19: geboren und aufgewachsen, hatte ich das Glück, in einem wirklich hübsches Fleckchen Erde geboren worden zu sein.

00:02:27: Es ist hügelig, es ist felsig, es gibt deftiges Essen, hervorragendes Bier.

00:02:33: legendäre Weihnachtsmärkte und ein ausladendes markantes Rollendes L, wie man hört.

00:02:41: Wenn ich an meine Heimat denke, denke ich aber eigentlich immer zuerst an die Menschen, die dort wohnen, die schon mein ganzes oder mindestens mein halbes Leben lang kennen.

00:02:53: Aber wenn ich dann da bin, dann kommt da schon auch sehr schnell ein paar andere Sinne mit ins Spiel.

00:03:02: vor allem einer, der Geschmackssinn.

00:03:05: Und gerade zu Weihnachten oder zur Winterzeit gibt's da im Franken ein paar ganz besondere Schmankerl.

00:03:15: Klar, eine Sache, die geht's ja fast überall oder zumindest überall, wo das Tradition ist, das sind Weihnachtsmärkte.

00:03:24: Der, den ich in meinem Leben wahrscheinlich am häufigsten besucht habe, ist der Weihnachtsmarkt in Feuchheim.

00:03:31: Vorher haben es ein kleines Städtchen geprägt von Fachwerkhäusern und vor allem hat es auch ein richtig schönes altes Rathaus, das direkt neben der Kaiserpfalz liegt.

00:03:45: Und dieses Rathaus wurde in den vergangenen Jahren eigentlich, soweit ich mich zurück erinnern kann, immer zu einem ganz großen Adventskalender.

00:03:56: Wie aber kann Gebäude zu einem Adventskalender werden?

00:03:59: Ganz einfach!

00:04:01: Jedes Fenster war ein Türchen und jeden Abend wurde vor dem Weihnachtsmarkt am Rathaus ein Türchen geöffnet, das Christkind kam heraus und hat ein Gedicht vorgetragen.

00:04:15: Das ist natürlich etwas, was vor allem für Familien und Kindern ein ganz besonderes Schönes, Ereignis ist und natürlich auch sehr schön anzusehen, es angebettet in diesen erhalten Fachwerkhäusern.

00:04:31: Dieses Jahr, ich glaube auch schon letztes Jahr, gab es leider kein Adventskalender am Feuchheimer Weihnachtsmarkt, weil das Rathaus kernsaniert wird.

00:04:39: Ich hoffe aber sehr, wenn die Arbeiten fertig sind, dass die Tradition beibehalten wird und das wieder den Feuchheimer Adventskalender am Rathaus geben wird.

00:04:50: Der Feuchheimer Weihnachtsmarkt ist eher klein.

00:04:53: Ganz in der Nähe oder zumindest im näheren Umkreus gibt es aber den großen Bruder oder die große Schwester.

00:05:02: Den Christkindltsmarkt in Nürnberg.

00:05:05: Der ist groß, der ist international bekannt und natürlich schon ein Kontrastprogramm.

00:05:11: Es ist viel trubeliger und nicht ganz so muckelig und romantisch, würde ich mal sagen.

00:05:19: Aber auch das gehört ja zwei Nachten.

00:05:22: Manchmal ist Heimat eben klein und manchmal teilt man sie mit der ganzen Welt.

00:05:28: Nürnberg oder die ganze Region dort hat natürlich aber auch mehr zu bieten als nur den Griskindl ins Markt.

00:05:35: Die Stadt an sich ist auch eine schöne Altstadt und es gibt dort auch einiges zu erleben oder zu machen, zum Beispiel eine Underground Tour.

00:05:45: Das ist ja was, was ich auch sehr gern mache.

00:05:47: Habe ich auch im Prag gemacht, erzähle ich auch in der Prager Episode, wenn du da mal rein hören willst.

00:05:53: Sowas kann man auch in Nürnberg machen oder auch noch.

00:05:56: In der anderen Stadt, auch dort in dem Umkreis in Bamberg.

00:06:02: Bamberg hat auch einen ganz, ganz schönen Flair.

00:06:05: Ich mag ja Wasser im Allgemeinen sehr, sehr gern und davon gibt es im Bamberg äußerst viel.

00:06:11: Es gibt auch dort ein Eckchen, das nennt sich Klein-Venedigo, eben auch die Häuschen direkt am Wasser stehen und man mit Boot unterwegs ist.

00:06:21: Auch dort ist es super Nacht, natürlich ganz hübsch geschmückt.

00:06:25: Es gibt das typisch fränkische Essen und natürlich auch das Schlängala.

00:06:31: Das Schlängala ist ein ganz rauchiges Bier.

00:06:35: Es wird ausgeschenkt in der alten Kult, Brauerei mit Kneipe, wo Sommer wie Winter die Leute dort auch in den Gassen stehen und dort ihr Bier zu trinken.

00:06:47: Mein absolutes Lieblingsbier gibt es aber woanders in der Fränkischen.

00:06:53: Und hier kommt mein erster kulinarischer Tipp.

00:06:58: Wer also?

00:07:00: Oder wenn du mein absolutes Lieblingsbier probieren willst und wissen willst, wie Franken schmeckt, dann fährst du zum Elchbräu nach Thysbrunnen.

00:07:11: Dort wird nach Altjem Handwerk gebraut und es wird ja ganz viel Liebe in die Produktion gesteckt und auch immer auf die beste Qualität geachtet.

00:07:23: Beim Elchbräu in Thysbrun gibt es also verschiedene Biere.

00:07:27: Es gibt aber auch Liköre, Phrynepse.

00:07:31: Es gibt Chin und auch Whisky.

00:07:35: Vielleicht muss ich da aber auch dazu sagen, dass ich den Elchbräu in Thysbrun nicht ganz objektiv bewerten kann.

00:07:42: Der Braumeister ist mein Bruder, aber na, ich kann dir auf jeden Fall mit Gewissheit sagen.

00:07:48: Dort gibt es sehr gute Produkte, weil ich ganz genau weiß, was dahinter steckt und ich das wirklich guten Gewissens empfehlen kann.

00:07:56: Beim Elchbräu in Tysbrunn ist auch eine Wirtschaft mit integriert.

00:08:01: Im Winter kann man sich da in die schöne Stube setzen, auch alles schön rustikal eingerichtet, inklusive des Markenzeichens den Elch, der ist dort ausgestellt, wenn du wissen willst, was es damit genau auf sich hat.

00:08:17: Fahr nach Thysbrunn.

00:08:20: Eingebettet ist der Elchbräu in Thysbrunn aber von einem ganz großartigen Wander- und Outdoor-Gebiet.

00:08:28: Und wenn man ganz viel Glück hat, kann man dort im Winter sogar lang laufen.

00:08:33: Also es gibt da ein paar Läuben.

00:08:35: Klar, die sind jetzt vielleicht nicht so gut gepflegt.

00:08:39: Wie oder wie man das von so ganz typischen Skigebieten gewohnt ist.

00:08:42: Ich habe auch ganz, ganz lange in Oberbayern gewohnt.

00:08:45: Das heißt, ich bin da ein bisschen verwöhnt.

00:08:47: Aber wenn ich eben in der Heimat bin, dann gucke ich das schon immer, wenn Schneefeld wie es aussieht und dann kann man doch mal die Langlaufschie einpacken und dort eine Runde drehen und vielleicht danach beim Elchbräu auch noch einkehren und sich wieder stärken.

00:09:05: Es gibt auch eine Wanderung, die endet direkt im Elchbräu und das ist der Fünfseitlersteig.

00:09:11: Auch dort ist für beste Verpflegung vor allem flüssige Verpflegung gesorgte Fünfseitlersteig.

00:09:17: Der wird von denen geprägt, was es sagt, fünf Seidler, wer nicht weiß, was ein Seidler ist.

00:09:23: Das ist ein Glas Bier, null fünfer Bier.

00:09:27: Das ist so die typische Größe, die bei uns ausgeschenkt wird.

00:09:31: Und diese Wanderung führt eben von einer Brauerei zur nächsten.

00:09:35: Ist wahrscheinlich eher ein Ziel für den Sommer, kann aber auch im Winter sehr, sehr schön sein.

00:09:41: Das Gute an der fränkischen Schweiz, das ist zwar... Hügelig, aber es ist jetzt kein hochalpine Gelände, wo man dann eben nochmal wegen Lavine gefahren oder sonst was drauf achten muss.

00:09:53: Das heißt, mit anständiger Ausrüstung, paar guten Schuhen, Jacke, Handschuhe und Mütze kann man da auch sehr, sehr schöne Winterwanderungen machen.

00:10:02: Worauf man natürlich achten muss, gerade bei der Wanderung ist natürlich, ob die Brauereien und die Gaststätten auch geöffnet haben.

00:10:09: Aber das ist auf jeden Fall so eine Tour, die kann man in den Tag gut bestreiten und lernt gleichzeitig noch die Kultur Frankens kennen.

00:10:19: Über Oberfranken und die fränkische Schweiz im Allgemeinen könnte ich wahrscheinlich viele, viele Einzelepisoden machen.

00:10:27: Hier aber mal so ein paar Ziele oder Orte, nach denen du vielleicht auch einfach mal selber googeln kannst, wenn du Lust hast, dort was zu erleben oder zu entdecken.

00:10:38: Ganz in der Nähe von Thysbrunnen ist zum Beispiel Gräfenberg, was auch sehr gut geeignet ist für einen Tagesausflug, aber auch gerade für Leute, die gern Wandern gehen oder Höhlenfans sind, die sind vielleicht in Pottenstein oder Streitberg ganz gut aufgehoben.

00:10:57: Und ein Ausflug zählt, dass ich in meiner Kindheit und Jugend und auch jetzt wieder genau vor der Haustür habe, ist das Valvala.

00:11:08: Das Weiberla ist ein, naja, Bergchen.

00:11:13: Also es kommt halt auch immer darauf an, wie man das sieht.

00:11:17: Also ich war ja ganz, ganz lange in Oberbayern, für mich ist das Weiberla mittlerweile ein Bergchen, für andere ist das eher ein Berg.

00:11:26: Da kann man sehr, sehr gut hochwandern.

00:11:29: und wer sich dann nach dem anstrengenden Aufstieg auch wieder stärken will, der geht zur nächsten Kulturgut, zur nächsten Tradition und ist etwas, das es nur in den R-Monaten im Franken gibt, also von September bis April.

00:11:51: Und das ist der Kapfen.

00:11:53: Und mein absoluten Lieblingskapfen, den gibt's beim Schnörler, beim Gasthaus Nagengast.

00:12:01: Das Gasthaus Nagengast der Schnörler Es ist noch ein richtiges Traditionshaus, wo ja die fränkischen Rezepte schon seit Jahrzehnten und Übergenerationen so umgesetzt werden.

00:12:16: Also für ein richtig gutes fränkisches Essenserlebnis.

00:12:20: auf zum Schnörler.

00:12:22: Aber nach einem deftigen Karpfen und einem guten Bier, da braucht man natürlich auch was Süßes.

00:12:32: Und hier kommt schon die nächste Empfehlung, eine, die so ein paar Elemente zusammenbringt.

00:12:40: In der Bäckerei Kraus in Hetzles gibt es nämlich ganz besondere Cookies und Lebkopen zu Weihnachten.

00:12:49: Diese nämlich mit Rum und Whisky.

00:12:52: Und auch dort weiß ich, dass der Bäckermeister wirklich noch nach Altem Handwerk arbeitet und wirklich früh um drei, vier in der Backstube steht, um die frischen Rötchen zu backen.

00:13:04: Das heißt, hier haben wir keine Konzernbeckerei, die irgendwas angediefert bekommt und schnell dann in Ofen schiebt und das aufbackt, sondern dort wird wirklich frisch gebacken.

00:13:17: Das heißt, wenn du eine leckere, einmalige Köstlichkeit aus Franken probieren willst und trotzdem noch das Handwerk unterstützen möchtest, Dann fahr nach Hetzlis zur Bäckerei Kraus.

00:13:31: Und das alles sind Dinge, die ich mit Heimat verbinde.

00:13:35: Das sind Orte, an die ich immer wieder fahren kann und das sind Schmankerl, die ich immer wieder genießen kann.

00:13:42: Meistens genieße ich diese Schmankerl, aber nicht alleine, sondern eben mit den Menschen, die dort immer auf mich warten.

00:13:52: Die letzten zehn Jahre habe ich eigentlich fast immer an anderen Orten gelebt als in meiner Heimat.

00:13:59: Ich war dann eben zu Hause und bin in die Heimat gefahren.

00:14:03: Und nicht immer konnte ich Weihnachten in die Heimat fahren.

00:14:06: Ich komme eigentlich aus der Hotellerie.

00:14:09: Ich habe im Hotel und auf Kreuzfahrtsschiffen gearbeitet und war einfach nicht möglich, immer da zu sein.

00:14:17: Und ich musste auch gar nicht immer zu Weihnachten da sein.

00:14:21: Das war immer schön und da gab es viele Traditionen.

00:14:24: Klar, ich habe mich immer auf die Menschen gefreut, jetzt gleich, ob ich jetzt zwei Nachten da war oder zu einer anderen Zeit.

00:14:31: Und es gab einen Satz, den ich tatsächlich bei der alljährlichen traditionellen Weihnachts-Dinner-Party von meinem Bruder gehört habe.

00:14:42: Und der Satz, der hat mich zum Nachdenken angeregt.

00:14:46: Mein Bruder macht jedes Jahr, im zweiten und zwanzigsten, eine Dinnerparty, zu der jeder eingeladen ist.

00:14:54: Freunde, Familie, Bekannte, und das wächst auch jedes Jahr, also plötzlich bringen die Söhne, der Kumpel, dann auch noch die Freundinnen mit, da kommen Cousinen und Cousins vorbei, und jeder kommt immer gern.

00:15:08: Und einer, der kommt auch immer gern, und das ist tatsächlich der Pfarrer, obwohl wir jetzt nicht gerade die, ich sag mal, Christlichste Familie sind, also ich bin schon vor sehr, sehr vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten.

00:15:21: Trotzdem kommt der Pfarrer, an diesem Abend am fünfundzwanzigsten immer vorbei.

00:15:27: Und er meinte mal, er kommt deswegen so gern vorbei, weil das Haus, wo mein Bruder lebt, ein offenes Haus ist.

00:15:39: Dass jeder willkommen ist und dass das in seinen Augen den Geist von Weihnachten doch sehr, sehr gut trägt oder verkörpert.

00:15:49: Das offene Haus.

00:15:52: Was bedeutet das also?

00:15:54: Muss das immer dieser eine Ort sein?

00:15:57: Oder ist Weihnachten vielleicht doch das Fest, wo man Heimat schaffen kann?

00:16:05: Und wie denken andere darüber?

00:16:08: Darüber hypothetisch nachzudenken?

00:16:10: Naja, das bringt einen vielleicht zu ein paar Erkenntnissen, aber wenn man wirklich wissen will, was andere denken, dann fragt man nach.

00:16:18: Und das habe ich getan.

00:16:21: Was ist Heimat?

00:16:22: Was ist Zuhause?

00:16:24: Und was sind diese beiden Elemente vor allem an Weihnachten?

00:16:28: Hören wir doch mal rein.

00:16:31: Wenn ich an das Wort Heimat denke, dann ist es für mich persönlich der Ort, an dem ich aufgewachsen und erwachsen geworden bin, weil dort einfach so viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse entstanden sind, die einen ein Leben lang begleiten.

00:16:48: Und jedes Jahr freue ich mich darauf.

00:16:49: Weihnachten dort mit meiner Familie zu verbringen, an einem festlich geschmückten Tisch zu sitzen, mit leckerem Essen und einfach eine tolle Zeit zusammen zu haben.

00:17:00: Gleichzeitig bedeutet mir aber auch mein heutiges Zuhause sehr viel.

00:17:04: Dort werden dann die restlichen Weihnachtstage und auch Sylvester mit Freunden gefeiert, diese Mischung aus alter Heimat und neuem Zuhause, aus Familie und Freunden.

00:17:17: Die macht mich einfach glücklich und gibt ein schönes Gefühl.

00:17:21: Und genau deshalb freue ich mich jedes Jahr aufs Neue, auf die Weihnachts- und Silvesterzeit.

00:17:28: Was also sagt Verena, was Heimat für sie ist?

00:17:31: Heimat sind vielleicht zwei verschiedene Orte, aber am Ende ist doch das Zusammenkommen.

00:17:39: Die Familie, die Menschen, das Schönste.

00:17:43: Ich frag mich also, ob Heimat wirklich immer dieser eine Ort sein muss, wo man herkommt.

00:17:48: Wenn ich zurückblicke, dann bin ich schon ziemlich dankbar, weil ich immer das Glück hatte, auf Menschen zu stoßen oder Menschen zu begegnen, die für mich dieses offene Haus waren.

00:18:03: Also egal, ob ich jetzt in der Heimat bin und mein Bruder das offene Haus weiterführt, ob das bei meiner Tante war, die immer gekocht hat, oder ob das in den vielen Jahren war, in denen ich bei Nachten und Silvester eben nicht in die Heimat fahren konnte, sondern in denen ich woanders war, das jetzt zu Hause war oder auf dem Kreuzfahrtschiff war.

00:18:26: Ich hatte immer Menschen um mich herum, die für mich dieses offene Haus waren, die mich eingeladen

00:18:33: haben

00:18:34: und mich aufgenommen haben, als wäre ich ein Teil der Familie, wo ich ganz viel Geborgenheit verspürt habe und nicht traurig allein zu Hause saß, sondern immer eingebettet war und eben auch dort an diesem schön gedeckten Tisch sitzen konnte und das Weihnachts- oder Silvester- oder Feiertagsessen genießen konnte.

00:18:59: Und ich glaube, dabei ist es gar nicht so wichtig, ob man Weihnachten als christliches Fest feiert, also vielleicht hast du ja auch Menschen um dich rum, die für dich dieses offene Haus waren, die Tür aufgemacht haben.

00:19:16: Oder vielleicht, wenn du so drüber nachdenkst, gibt's ja auch Menschen um dich rum, für die du dieses offene Haus sein kannst, an denen du die Tür aufmachen kannst.

00:19:29: Eine offene Tür bedeutet aber, dass Menschen hineinkommen können und dass Menschen aber auch hinausgehen können.

00:19:40: Nicht jeder fährt oder ist nämlich an Weihnachten, zu Hause oder in der Heimat.

00:19:48: Und dafür gibt es oft Gründe.

00:19:51: Bei mir war das oft die Arbeit, vielleicht hätte ich sogar geschafft mal an den einen oder anderen Abend doch in die Heimat zu fahren.

00:20:01: Aber ich hatte immer so ein schönes Umfeld, dass das gar nicht nötig war und ich dann Meine Familie, meine Freunde, vielleicht auch einfach zu einem anderen Zeitpunkt besucht haben.

00:20:11: Und hierzu habe ich noch eine Stimme.

00:20:13: Ich habe Norman gefragt, was zu Hause und Heimat denn für ihn bedeutet, was das für ihn zu den Feiertagen bedeutet und wie er die Zeit am liebsten verbringt.

00:20:26: Auch da hören wir jetzt mal rein.

00:20:30: Heimat.

00:20:32: Heimat ist für mich nicht der Ort meiner Herkunft.

00:20:35: Heimat ist für mich eher ein Gefühl oder ein Idee, etwas, das ich immer in mir trage, das ich dabei habe, tief in meinem Herzen.

00:20:46: Das bedeutet für mich Sicherheit, Geborgenheit, so sein zu können, wie ich bin und auch so angenommen zu werden.

00:20:56: Das bedeutet für mich auch, zu lieben und geliebt zu werden und geliebte Menschen um mich zu haben.

00:21:04: Heimat ist für mich etwas, was ich immer wieder neu definieren kann und was sich auch verändern darf und immer wieder neu erfunden werden darf.

00:21:16: Ich glaube, das ist das, was es für mich ausmacht, diese Idee.

00:21:21: Wenn ich jetzt an Weihnachten denke, dann muss ich ganz klar sagen, ich mag es an Weihnachten nicht da zu sein.

00:21:29: Ich bin an Weihnachten gerne weit weg von allem und weit weg von den Nachrichten, sonstigen Ablenkungen und so weiter, denn das ist für mich eine Zeit im Jahr, um abzuschalten, um zu reflektieren, wie war das vergangenen Jahr, vielleicht auch darüber nachzudenken, wie kann das neue Jahr werden, aber grundsätzlich, um zur Ruhe zu

00:21:53: kommen.

00:21:54: Ich brauche an Weihnachten keine Geschenke, kein Festessen, keinen sonstigen Trubel oder Stress.

00:22:01: Das ist tatsächlich etwas, was ich seit ein paar Jahren bewusst vermeide und mir geht es damit wirklich ganz gut.

00:22:10: Ich nutze diese Zeit um natürlich auch an geliebte Menschen zu denken, mich bei denen zu melden und zu schreiben, aber grundsätzlich genieße ich das wirklich Weihnachten nicht dazu sein.

00:22:22: Ich habe Weihnachten schon in der Wüste verbracht, am Meer, tatsächlich auch richtig kitschig, mit Schnee und allem Pipapur.

00:22:33: Aber das ist immer die Zeit im Jahr, da möchte ich nicht zu Hause sein.

00:22:38: Denn ich möchte mir diesen ganzen Stress sparen.

00:22:40: Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut.

00:22:47: Ja, Norman ist am Weihnachten gern unterwegs.

00:22:51: Und auch das kann ich ganz gut nachvollziehen.

00:22:53: Ich kann mich da auch noch an das Weihnachten im Kreuzfahrtsschiff erinnern.

00:22:58: Ich habe da ja gearbeitet und trotzdem ist das nochmal ein ganz anderes Feeling, wenn man plötzlich mit T-Shirt auf Madeira zufährt und die ganzen bunten Lichter sieht.

00:23:11: Aber auch wieder dort war ich umgeben von Menschen, die die Zeit auch gern mit mir verbringen wollten, die dafür gesorgt haben, dass das Ganze irgendwie doch heimatlich ist.

00:23:26: Also, wenn wir wieder an das offene Haus denken, an die offene Tür.

00:23:32: und daran, dass es bedeutet, dass Menschen hereinkommen können, dass sie uns vielleicht alle fragen können, wie man vielleicht noch Mitte zuholt, wer vielleicht an Weihnachten alleine wäre und das nicht möchte, denn dürfen wir uns auffragen, wer an Weihnachten vielleicht durch die Tür hinausgeht, so wie Norman eben den Stress zu entkommen, sich zu besinnen.

00:24:00: zu sehen, was war dieses Jahr und was steht an und dankbar zu sein und auch um dankbar an die Menschen zu denken, die man liebt.

00:24:10: Vielleicht kann man den Menschen, die das gerne machen und bevorzugen, nicht mit Ärger begegnen oder mit Wut, weil sie jetzt an den Feiertagen wegfahren.

00:24:22: Vielleicht packt man für die Menschen einfach eine Doseplätzchen, gibt sie ihnen mit.

00:24:27: und wünscht ihnen eine gute Reise und freut sich drauf, wenn sie wieder da sind.

00:24:34: Also egal, wie und wo du die Feiertage verbringen wirst, wie und wo du ins neue Jahr kommst, ob das für dich Feiertage sind, die verbunden sind mit Religion oder auch nicht, ich glaube eines, das hat man bei beiden, die jetzt hier gesprochen haben, Verena und Norm, ganz gut rausgehört, Am Ende ist es doch die Liebe, die zählt.

00:24:59: Das klingt vielleicht total kitschig, aber das ist auch die Erfahrung, die ich gemacht habe, egal wo ich war und egal wie ich die Tage verbracht habe.

00:25:09: Wenn ich vom Menschen umgeben war, die mich mit offenen Herzen empfangen haben, mich mit offenen Herzen haben gehen lassen und einfach wohlwollend waren, dann ging es mir gut.

00:25:22: Und vielleicht können wir das ja an den Feiertagen auch alle wieder uns ein bisschen mehr in Erinnerung rufen, dass wir einander sein lassen können, wie wir sind, dass wir einander den Weg gehen lassen, wie jeder das möchte und trotzdem herzlich miteinander ist, ohne Wut und ohne Ärger.

00:25:45: Vielleicht ist eben Heimat gar kein Ort in dem Sinne, vielleicht ist es eben wirklich dieses Gefühl, dass wir teilen können.

00:25:56: Ich hoffe, du und ihr verbringt die nächsten Tage.

00:26:00: Dort, wo ihr euch wohl fühlt, wo es euch gut geht, könnt vielleicht ein bisschen runterkommen und kommt gut ins neue Jahr.

00:26:11: An der Stelle möchte ich mich auch bei jedem bedanken, der die ersten Wochen und Monate von Kompass und Café mitbegleitet und beobachtet hat.

00:26:22: Bis nächstes Jahr ist auch schon ganz viel.

00:26:24: Geplant, die ersten Gäste werden kommen, die nächsten Reisen stehen an.

00:26:29: Die nächste Inspiration ist schon in der Produktion.

00:26:33: Ich wünsche euch eine gute Zeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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